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1. Juni 2019

lebbe gehd waider – malen und reden

Lebbe gehd waider – die Offenbacher Gruppe „Psychiatrie-Erfahrener Menschen“ bietet seit 1995 eine Überlebens-Plattform, ohne die es psychisch Erkrankte um einiges schwerer hätten. Die engagierte Selbsthilfegruppe hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Hunderte von Menschen konnten mit Hilfe von Gesprächs-, Freizeit- und Kreativangeboten ihren Alltag besser meistern. Die Gruppe wirbt mit dem Slogan „Alleinsein? Bei uns nicht!“. Aktuell werden die Gesprächsgruppe „Offener Treff“ und ein freies Malen im „Talentschuppen“ angeboten. Die Gesprächsgruppe wird finanziell unterstützt von der Stadtmission und vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen GKV, das freie Malen von der Stiftung Lebensräume. Ein Portrait.

Offener Treff  Der 1. Mai ist ein sonniger Tag. Am Spätnachmittag treffe ich in der Waldstraße 36 im Hinterhof um eine Bank versammelt auf die wartenden Besucher des Offenen Treffs. Das Gebäude der Stadtmission im mediterranen Ambiente strahlt eine wohlige Wärme aus. Ich lese in den Gesichtern der Menschen und spüre, dass sie nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Dennoch werde ich herzlich aufgenommen, innerhalb der nächsten zweieinhalb Stunden lassen sie mich an ihrem Leben teilnehmen.
Wir sitzen im Gruppenraum um den Tisch bei Cola, Fanta und Mineralwasser. Johanna K., 54, kommt leicht verschwitzt vom Radklassiker Eschborn-Frankfurt angeradelt. Mit ihrem Freund stand sie an der Zieleinfahrt bei der Alten Oper und ist vom langen Tag müde, wollte dennoch den „Treff“ nicht ausfallen lassen. „Ich komme heute, weil ich die Leute sehen möchte, die letzten beiden Wochen konnte ich nicht dabei sein.“ Johanna K. und ein weiteres Gruppenmitglied haben kürzlich ihre Geburtsstage mit Nudelsalat und Spinat-Blätterteigtaschen in der Gruppe gefeiert. Acht Gäste seien dagewesen. Sie strahlt beim Erzählen und ist immer noch beeindruckt von den vielen Geschenken. „Damit habe ich nicht gerechnet. Ich war sprachlos.“ In der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie kam Sie über die Ergotherapie zum Malen. Im Talentschuppen besprüht sie mit Stoffmalfarben Taschen und Kopfkissen. Sie fährt halbtags bei der VGF eine Straßenbahn. Lebbe gehd waider. (…)

Für psychisch erkrankte Menschen ist das Leben jedoch eine größere Herausforderung. Sie müssen mit „angezogener Handbremse“ vorankommen und sich immer noch vor der „Normalbevölkerung“ schützen. Erzählen sie in der Nachbarschaft, dass sie gerade aus der Psychiatrie kommen, wendet sich der aufgeklärte Bürger ab. „Mich stört, dass ich als psychisch kranker Mensch so zweitklassig behandelt werde. Diese Arroganz finde ich schrecklich, wir sind doch auch Menschen“, erklärt Alfred M., 62, der wie alle anderen Gruppenmitglieder nicht möchte, dass sein vollständiger Name öffentlich gelesen werden kann. Alfred M. kommt regelmäßig in die Gruppe, „weil ich hier nicht das Gefühl habe, allein zu sein“. Er hat Vertrauen zu den Menschen gefasst, und kann sich mit ihnen „über verschiedene Themen austauschen“. Alfred M. singt auch im Projektchor Klanggarten. Heute muss er früher weg. Letzten Sonntag hat er mit seiner Schwester selbstgezogene Tomaten und Paprika gepflanzt. Die Pflanzen müssen gegossen werden, damit er im Sommer wieder täglich seine 3-5 Fleischtomaten essen kann. Auch ich ziehe im Garten Fleischtomaten, erzähle ihm von meiner „bunten Pracht“. Er bleibt eine Viertelstunde länger als geplant (…)

Talentschuppen  Vier Tage später bin ich am Sonntagnachmittag im Talentschuppen in der OFFENbar zu Gast. Sechs Künstlerinnen und Künstler sitzen um einen bunten Tisch mit Farbpaletten, Pinseln, Pastellstiften und Ölmalkreide. Ich komme mit unserer Labradorhündin Larissa. Schnell ist sie der Mittelpunkt des Geschehens. Während mir Kirsten L. ihre Mosaikbilder in Postkartengröße zeigt, bekomme ich eine Tasse Tee und Apfelkuchen serviert. Ihre figürlichen Bilder wirken auf mich dynamisch, die Ölpastellkreide verleiht ihnen eine angenehme Wärme. „Bewegung und Stimmung“ sind die Themen von Kirsten L. „Ich male für mich, ich muss für niemanden etwas produzieren.“ Sie findet es schön, in der Gruppe zu malen und kann sich dabei „ablenken“. Zuhause gelinge ihr das nicht.

Maria L. 31, malt schon seit der Oberstufe, kennt das Musee D’Orsay in Paris, war im Guggenheim-Museum Bilbao, im Bristol in London, bestaunte die Sixtinische Kapelle im Vatikan. Sie malt nach dem Boys-Motto „Jeder ist Künstler“. „Kunst ist für mich Leben, sie spiegelt mein Leben und das meiner Umgebung wieder“. Für Maria L. steht nicht die Ästhetik, sondern die Aussage eines Bildes im Vordergrund. Sie arbeitet heute an einem „verzerrten Selbstportrait“, angelehnt an Picasso. „Frau mit Seidenmantel“ nennt sie ihr ausdrucksstarkes Kunstwerk. Ihre Bilder sind expressiv und ohne Vorlage. Mit einem Pinselschwamm tupft sie Goldfarbe auf den Seidenmantel. „Sie kommen aus Österreich und haben mich an Gustav Klimt erinnert. Der Kuss“, sagt sie zu mir auf meine Herkunft bezogen.

Orli S., 57, malt nach Vorlage. „Die Waschwanne“ von Degas hat es ihr angetan, „die Schönheit des Bildes“. Sie arbeitet im Talentschuppen schon ein paar Sonntage an dem Bild „mit der schönen Frau“. Heute bekommt der Wannenboden seine Farbe. „Die Kunsttherapeutin hat mir dazu den Tipp gegeben. Damit das Bild seinen Boden bekommt.“ Orli S. betont die Wichtigkeit der Kunsttherapeutin. „Sie gibt uns eine künstlerische Orientierung und verhilft der Gruppe dazu, dass sie eine eigenständige Kunstgruppe bleibt“.

Kunsttherapeutin Brigitta Gerke-Jork kommt nach zwei Stunden zur Gruppe hinzu, gibt Anregungen, bespricht am Ende mit den Künstlern die Bilder an der Staffelei. „Ich helfe den Menschen in ihr Bild“ und fügt hinzu: „Die Bildbesprechung ermöglicht den Künstlern neben der eigenen auch die fremde Wahrnehmung.“

Tina H. war am 1. Mai im Offenen Treff, heute malt sie im Talentschuppen. „Eine Auftragsarbeit“, fügt sie schmunzelnd hinzu, als sie mir ihr „Haus für die Minions“ zeigt. Für Perspektive und Größenverhältnisse hat sie einige Zeichnungen angefertigt. Die Originalaufkleber müssen räumlich zum Haus passen. Das Bild bringt sie heute mit Aquarellfarben zu Ende. Sie ist froh, dass sie in der Gruppe malen kann. „Das Geben und Nehmen stimmt hier.“ Tina L. ist nicht auf Farben, Formen und Material festgelegt. Sie hat für mich ihre Mappe mitgebracht, ich bestaune ihre künstlerische Vielfalt.

Anna W., 35, ist heute „nicht so gut drauf“, sitzt vor ihrem Kunstwerk und beobachtet die anderen beim Malen am Tisch. Die letzten Monate hat sie ihre „Nana-Figur“ aus Maschendraht, Holz, Zeitungs- und Packpapier entwickelt. Die Plastik ist weiß bemalt, die künstlerische Weiterarbeit noch offen. Anna W. hat sich heute mit Larissa angefreundet.

Diese Text-Bild-Reportage ist ein Jubiläums-Geschenk „5 Jahre alleMunde – anders kommunizieren“ an die Stiftung Lebensräume.

Der Artikel wurde am 1. Juni 2019 im Offenbacher Stadt- und Kulturmagazin Mut & Liebe, Ausgabe 31/2019, veröffentlicht. Klicken Sie zum vollständigen Beitrag hier.

1. März 2019

Café FRIEDA – grüne Oase in Herzen der Stadt

Das Café FRIEDA ist eine versteckte und zugleich unterschätzte Auszeitoase vom Arbeitsalltag in der Offenbacher Innenstadt. Im ansprechend sanierten Frieda-Rudolph-Haus am Linsenberg – ein schlichter Flachbau von 1957 – überzeugt die ehemalige Seniorenbegegnungsstätte seit 2009 durch seine Retro-Innenarchitektur gepaart mit regionaler Küche. Große südseitige Glasfenster
verwandeln an kalten Tagen die FRIEDA in einen Wintergarten. Im Sommer können die Gäste ihren Blick auf der großen Terrasse über den geräumigen Büsingpark schweifen lassen. Authentische und originelle Mitarbeiter sorgen für eine natürliche Gastlichkeit. In der FRIEDA werden Frühstück, hausgemachte Kuchen und gesunde Mittagessen serviert. Sie hat sich zu einem beliebten Ort für Mitarbeitergruppen aus umliegenden Firmen und öffentlicher Verwaltung entwickelt.


Fotos: Lemnitzer-Fotografie

Die FRIEDA ist unter den Offenbacher Cafés die grüne Auszeitinsel inmitten der Stadt. Versteckt hinter dem Büsingpalais am Linsenberg ist das Kleinod von der S-Bahnstation Markplatz über den Ausgang Herrnstraße in wenigen Minuten erreicht. Vom Kulturkarree anspaziert, bietet im Frühling der Sophie-La-Roche Platz mit seiner Kirschblüte eine sinnliche Augenweide.

Immer wieder zieht es mich in die FRIEDA: Mal zum Mittagessen mit Geschäftspartnern, dann mit meiner Frau auf eine kleine Suppe, mit Freunden oder der Literaturgruppe zu Kaffee und Kuchen, gerne auch alleine mit Zeitungen, Büchern und Hund.

Lucia Bonaffini, 50, ist gelernte Einzelhandelskauffrau und seit 2016 verantwortlich für die Abläufe in der FRIEDA. Sie ist nicht die Frau für die Öffentlichkeit, werkelt lieber mit „ihrer Mannschaft“ in der Küche, die Fotokamera soll in der Tasche bleiben. Bescheiden und zurückhaltend spricht sie über die kulinarischen Spezialitäten des Hauses. Diese können sich aber sehen und schmecken lassen: Highlights
sind zu Mittag „Schnitzel ‚Büsing‘ mit Champignonsoße, Marktgemüse und Kartoffeln“ oder die vegetarische Variante aus Oberrad mit „Grüner Soße, Kartoffeln und vier halben Eiern“. Linsen-, Kürbis-, Karotten- oder Erbsensuppen werden nach „Jahreszeit und Wünschen der Gäste“ zubereitet. Und wenn der Lenz ruft, können sich die Gäste mit einem bunten Frühlingstopf verwöhnen oder bei Sommerhitze mit
einer kalten Gurkensuppe abkühlen lassen.

Zweimal wöchentlich wird auf dem Offenbacher Wochenmarkt frisch eingekauft. Die regionale Küche ist in der FRIEDA Programm. Damit alles gut verwertet wird, gibt es eine wechselnde Wochenkarte. Immer ist ein Pasta-, Fisch- und Fleischgericht dabei. In der Zubereitung kommen auch immer wieder italienische Gerichte auf die Speisekarte, sagt mit einem stolzen Lächeln die Küchenchefin Lucia Bonaffini.
Mitarbeitergruppen aus Firmen und öffentlicher Verwaltung können ihr Mittagessen nach Speisekarte vorbestellen.

Bis zu 40 Personen finden an zwei langen Tafeln im Separee Platz. Heute ist bereits um 11.00 Uhr für 25 Personen in Weiß eingedeckt. Wenn die Gäste um 12.30 Uhr eintreffen, wird im Handumdrehen das Essen serviert. Die FRIEDA ist auch auf Besucher mit
halbstündiger Mittagspause eingerichtet und dafür personell gut aufgestellt.

Mein Spaziergang durch den Büsingpark führt stets zu einer Pause in der FRIEDA. Ich freue mich immer auf diesen Ort der Ruhe. Auch auf die Menschen mit ihren schlichten und zugleich eleganten mausgrauen Blusen oder Hemden und schwarzen Schürzen an Theke und Bedienung. Ich genieße ihre offene und ehrliche Art, ihre wohltuende Natürlichkeit. Nichts ist aufgesetzt. Alex ist die Ruhe in Person, behält stets den Überblick im Café und beeindruckt durch seine originellen und trockenen Kommentare. Und wenn Sascha im roten Sportrolli
den Frühstücksklassiker WILLI serviert, ist für mich die Welt in Ordnung. Er ist der erste Kellner, der mich in meiner über 35-jährigen Kaffeehauskarriere im Rollstuhl bedient hat. Aufmerksam, freundlich und schnell wie ein Blitz.

Für Schleckermäuler gibt es bodenständige selbstgebackene Streuselkuchen mit Obst, Rahm, Schmand oder Pudding und auch hausgemachte Torten. Lucia Bonaffini kann neuerdings mit einer sündhaften „Pfeffernusstorte“ aufwarten. Gemahlene „Offenbacher Pfeffernüsse“ als Tortenboden gefüllt mit Joghurt, Mascarpone, Sahne und Heidelbeeren. Als die guten alten Pfeffernüsse 2014 ihre Renaissance erlebten, wurde der FRIEDA der Backauftrag dafür erteilt. In der Hauptsaison läuft ab September die Produktion für die Kaffeerösterei Laier auf Hochtouren.

Diese Textreportage ist ein Jubiläums-Geschenk „5 Jahre alleMunde – anders kommunizieren“ an die Werkstätten Hainbachtal GmbH.

Der Artikel wurde am 1. März 2019 im Offenbacher Stadt- und Kulturmagazin Mut & Liebe, Ausgabe 30/2019, veröffentlicht. Klicken Sie zum vollständigen Text hier.

1. Dezember 2018

Wohnen am Wilhelmsplatz

Im Juni 2018 hat die Stiftung LEBENSRÄUME das Wohnheim für psychisch kranke Menschen am Starkenburgring aufgelöst. Mit diesem Schritt wurde ein zentraler Teil des neuen Bundesteilhabegesetztes (BTHG) in Offenbach umgesetzt. Xenia Dick und Bernd Butzbach haben den einjährigen Veränderungsprozess mitgestaltet und die Menschen beim Umzug begleitet. Ein Gespräch.

Genau 30 Jahre wurden im Wohnheim am Starkenburgring bis zu 26 chronisch erkrankte Menschen stationär betreut. Diesen Sommer zogen die letzten 16 Bewohner in Wohnungen an den Wilhelmsplatz und in die Bieberer Straße. Beim Wort „Heimbetreuung“ drängt sich einem „Normalbürger“ schnell das Bild im Kopf auf, dass die Heimbewohner nach starren Regeln leben müssen: Feste Essens- und Ausgangszeiten mit Hausschließung um 22:00 Uhr, ein beaufsichtigtes Beschäftigungsangebot, vier Mal am Tag streng kontrollierte Tabletteneinnahmen. Wie sollen nun diese Menschen außerhalb des Heimes mit einem Leben in Freiheit zurechtkommen? Mir gegenüber sitzt Xenia Dick. Die 34-jährige Dipl.-Sozialpädagogin, beginnt aus dem Heimalltag zu erzählen: „Mit „Heiminsassen“ und „Hausschließung“ hatte unsere Arbeit nichts zu tun. In unserem Wohnheim, das wir zuletzt „Wohnhaus“ nannten, konnten die Menschen überwiegend eigenständig leben. Es gab zwar feste Strukturen mit Hausordnung und Essenszeiten. Die festen Zeiten waren jedoch aufgebrochen, die Bewohner konnten wählen, ob sie am Essen teilnehmen oder sich selbst versorgen möchten. Für uns stand die Wahlmöglichkeit im Vordergrund. Sie erledigten Einkäufe im Supermarkt oder am Kiosk, knüpften Bekanntschaften zu Nachbarn, sprachen mit wartenden Taxifahrern.“
Xenia Dick arbeitet seit fünf Jahren bei Lebensräume, begleitete Menschen im Wohnheim, betreut Wohngruppen in den Stadtvierteln, ist ambulant aufsuchend im Betreuten Einzelwohnen tätig und organisierte mit ihrem Kollegen Bernd Butzbach den Auszug der Heimbewohner.

Die Veränderung war für alle Beteiligten kein Selbstläufer. Im gemeinsamen Gespräch wird aber auch deutlich, dass die mit dem Umzug in die neuen Stadtteile verbundenen Sorgen und Ängste der Bewohner sich nicht wesentlich von den Aufregungen und Anstrengungen unterscheiden, die eben ein Umzug für jeden Menschen mit sich bringt, erzählt Xenia Dick. Die Geforderten scheinen bei der Auflösung des Wohnhauses am Starkenburgring auch die Betreuer zu sein: „Wir mussten die gewohnten Dienstabläufe neu überdenken und die Versorgung und Betreuung komplett umstellen“, erzählt Bernd Butzbach. Der 63-jährige Dipl.-Pädagoge arbeitet seit 23 Jahren bei LEBENSRÄUME und ist mit den Strukturen eines eingespielten Heimalltags bestens vertraut.

(…) Am Wilhelmsplatz leben jetzt sieben Menschen in zwei 3 und 4-Zimmerwohnungen. Um 8.00 Uhr morgens kommt ein Mitarbeiter des Funktionsdienstes in die Wohnungen, unterstützt bei Bedarf beim Frühstück, verabreicht die Medikamente, sieht nach der Wäsche. Zum Tagesablauf schildert Xenia Dick, dass ein Teil der Menschen in der Integrationsfirma ESSwerk arbeitet, die Werkstatt für Menschen mit Behinderungen besucht oder zur Ergotherapie in die Luisenstraße geht. Jene, die keine oder noch keine feste Tagesstruktur haben, so die Dipl.-Sozialpädagogin, sind aber aktiv, im Stadtteil unterwegs und gestalten ihre Freizeit selbstständig. Abends kommt erneut ein Mitarbeiter, unterstützt beim Abendessen und bei der Medikamenteneinnahme. Freitags wird der „große Wochenendeinkauf“ besprochen und mit Begleitung erledigt – oder vom Mitarbeiter alleine, wenn es der Gesundheitszustand des Bewohners gerade nicht erlaubt. Wer möchte, kann am Wochenende alternativ an einem gemeinsamen Mittagstisch in der Luisenstraße teilnehmen.

(…) Die Hilfen im Bereich Wohnen werden nach dem neuen Bundesteilhabegesetz zukünftig in „Besonderen Wohnformen“ erbracht. Stationäres Wohnen in Wohnheimen soll es künftig in der jetzigen Form nicht mehr geben. Die Wohnungen am Wilhelmsplatz und in der Bieberer Straße sind von LEBENSRÄUME angemietet und liegen in unmittelbarer Nachbarschaft zu Wohnungen und Häusern von Offenbacher Bürgern. Dieses Wohnen „mittendrin und inklusiv“ ermöglicht Teilhabe und bringt Normalität in den Alltag. Nach der UN-Behindertenrechtskonvention haben alle Menschen, unabhängig von Behinderung oder Erkrankung, das Wahlrecht auf die gewünschte Wohnform.

(…) Die Frage zum Schluss: Welche Unterstützung brauchen die Bewohner am Wilhelmsplatz und in der Bieberer Straße von den Nachbarn für ein gelingendes Zusammenleben? „Es braucht das Verständnis für Menschen, die anders sind. Wichtig ist, sie mit Respekt und Anstand zu behandeln wie jeden anderen Menschen auch“, äußert Xenia Dick. Für Bernd Butzbach ist die Akzeptanz ein wichtiger Aspekt: „Zu akzeptieren, dass es Menschen gibt, die nicht so sind wie ich selbst. Ein Beispiel: Wenn ich gerne mit Nachbarn rede, muss ich auch akzeptieren, dass mein Gegenüber vielleicht nicht sprechen möchte.“

Der vollständige Text wurde im Stadtmagazin „Mut & Liebe“, Ausgabe 29/2018 veröffentlicht. Klicken Sie zum Artikel hier.

3. März 2018

Erzählte Frankfurter Poetikvorlesungen

Silke Scheuermann ist ein weiter(er) literarischer Sprung gelungen: Das in Offenbach wohnende Schreibtalent ist nach Wiesbaden bereits zum zweiten Mal in das Mekka der universitären Poesie aufgenommen worden. „Gerade noch dunkel Genug“ titelt sie ihre Lesereihe. Die Lyrikerin, Erzählerin und Romanautorin präsentiert ihre dreiteilige Poetikvorlesung um die Themen „Nacht – Tag – Zwielicht“ als Erzählkunstwerk.

Foto: Alexander Paul Englert

Nacht- und Tagwerke

Silke Scheuermann ist eine Meisterin des ersten Satzes: Mit „Erklären Sie mir den Unterschied zwischen Gedicht und Roman?“, eröffnet sie mit einer Frage, die ihr eine Zuhörerin nach einer Lesung auf der dunklen Straße stellte, die Frankfurter Poetikvorlesungen. „Das Gedicht ist als Momentaufnahme und Stimmungsäußerung mehr ein Nachtwerk, während ich den Roman, der für mich ein soziales Kunstwerk darstellt, als mein Tagwerk betrachte.“ Sofort hängen der Poetikdozentin die Zuhörer im gut gefüllten Saal an den Lippen, lassen sich auf ihrem erzählten Nachhauseweg in das mitternächtliche Arbeitszimmer mitnehmen. Als sie die Wohnung betritt, erhebt sich der Hund, streckt die Vorderpfoten, richtet die Hinterbeine auf, macht sich lang. Ist der Mantel ausgezogen und sind die Stiefel abgestreift, gleiten die Finger über Buchrücken, halten plötzlich bei einem Titel inne, ziehen ihn aus dem Regal in die Hände und mit der ersten Buchseite wird die literarische Welt lebendig. Bei ihren Worten spüre ich plötzlich in mir dieses großartige Glücksgefühl als Leser – weder Neuwagen noch Reihenhaus würde ich dafür eintauschen. Es ist ein bei sich zuhause sein, ein nur noch Dasein, ein Zustand, bei dem jegliche Materialität zu existieren aufhört und man doch mit der Welt im Einklang ist. Die Stimmung um Mitternacht.
Das Gedicht steuert rasch (…)

Das soziale Kunstwerk „Roman“

Bei Romanen ist „der Fokus enger gefasst: Zeit, Ort, Figuren – ein soziales Kunstwerk eben“. Auch hier gibt der erste Satz den Ton des gesamten Textes an: Mit „Glaubst du, das ist eine tote Nutte?“, beginnt Silke Scheuermann ihren neuen Roman „Wovon wir lebten“ (2016). Der zu laut gerufene Satz eines Jungen an der Mainuferböschung lässt Blesshühner, Enten und Nilgänse aus dem Schilf auffliegen, ein packender Entwicklungsroman mit über 500 Seiten in menschliche Abgründe nimmt seinen Lauf.
„Was macht es für einen Sinn, ein Buch zu schreiben über Personen, die es in Wirklichkeit nicht gibt“, wird die Autorin von einem Mitpatienten im Krankenhaus gefragt. Die „Gefühlschronistin der scheuen, der verborgenen Art“ (Die Zeit) schafft Figuren, wie es das wirkliche Leben nicht bietet. „Romanfiguren müssen lebendiger und um ein vielfaches interessanter sein als reale Menschen.“ Auch „der Autor muss sich beim Schreiben verwandeln können, Empathie zu seinen Helden reicht nicht aus“, sagt Silke Scheuermann in Anlehnung an Elias Canettis Rede „Der Beruf des Dichters“ (1976). Ein Jahr ging die Dichterin beim Schreiben von „Wovon wir lebten“ nicht ans Telefon (…)

Foto: Alexander Paul Englert

Im Zwielicht

„Wie erkläre ich meinem Hund, warum Zebras Streifen haben?“, fragt die Autorin und fügt fragend den Titel ihrer dritten Lesung hinzu: „Zwielicht oder träumen Zebras von karierten Löwen?“ Weiß und Schwarz, Tag und Nacht. Dienen die Streifen der Hitzeregulation oder sind sie mehr Schutz vor dem literarisch karierten Löwen? Soviel steht fest: Bewegen sich Zebras, verschwimmen ihre Abgrenzungen, das Dasein wird zu einem Dämmerungsdasein, das so stylische und extravagante Tier zur zwielichtigen Gestalt – wie die biertrinkenden Männer und schwarz gekleideten Jungs nachts am Mathildenplatz.
Das Zebra als Sinnbild des Scheiterns, der Dämmerung, aber auch der Übergänge und Spielräume zwischen Weiß und Schwarz, (…)

Ich besorge mir vom Büchertisch den Titel „Und ich fragte den Vogel“. Die Autorin signiert am universitären Lesepult: „Und ich fragte den Vogel, ob es gerade noch dunkel genug sei auf ein letztes Bier.“ Silke Scheuermann, Februar 2018. In der Döneria am Goetheplatz beginne ich darin zu lesen – bei einer Flasche Binding und einem scharf gewürzten Döner. Es ist gerade noch dunkel genug.

Der Artikel wurde am 1. März 2018 im Offenbacher Stadt- und Kulturmagazin Mut & Liebe, Ausgabe 26/2018, veröffentlicht. Klicken Sie zum vollständigen Text hier.

Silke Scheuermann:
Gerade noch dunkel genug,
Frankfurter Poetikvorlesungen,
Schöffling & Co Frankfurt,
ca. 96 Seiten, Englische Broschur
€ 18,60 – ISBN 978-3-89561-379-1
Erscheint im Mai 2018

15. Februar 2018

5 Jahre Lebensräume erzählt

Wir brauchen noch Kaffee und Zucker erzählt mit Texten und Bildern über fünf Jahre (2008-2013), wie Menschen bei Lebensräume miteinander ihren Alltag verbringen. 2014 erschienen 60 ausgewählte Alltagsreportagen aus ursprünglich über 200 Portraits. Inzwischen wurden weit über 400 Bücher unter die Menschen gebracht. 10 Jahre nach dem Schreiben der ersten Geschichte sind für Lebensräume und alleMunde Anlass, die letzten 100 Restexemplare an interessierte Leser zu bringen – an Psychiatrieerfahrene, Fachleute und Freunde.

„Wer das Buch gelesen hat, geht dankbarer durch das Leben“, schrieb Martin Meding in seiner Buchbesprechung (Psychiatrische Praxis, 6/2015). Was macht das Buch so besonders und warum sollte ich es lesen? Die bebilderten Erzählungen sehen sehr genau hin und hören zu, „wenn Menschen beieinander sind, miteinander umgehen, wenn etwas geschieht“. (Klaus-D. Liedke, Vorwort 2014). Es sind Geschichten in eine Lebenswelt von Menschen, von denen wir uns im Alltag aus Angst und Hilflosigkeit eher abgrenzen. Die Entdeckungsreisen nehmen die Angst und machen Mut „das Fremde in uns zu akzeptieren“. Der Leser kann am Miteinander der Menschen teilhaben, deren Originalität und Liebenswürdigkeit spüren. „Ich bin nicht verrückt, ich bin nur verhaltensoriginell“. (Jens Lipponer, Treffpunkte 1/2018).

Die Erzählungen werfen auch ein neues Licht auf das Thema Psychische Erkrankung und den Möglichkeiten, die heute eine moderne Sozialpsychiatrie bietet: Hilfen zur Tagesgestaltung, Wohnangebote, Beschäftigungsprojekte, Gesundheitskurse, Jobcoaching sowie zahlreiche Gruppenangebote im Bereich Musik, Malerei, Sport und Freizeit. „Warum muss man erst krank werden, um all´ diese tollen Sachen machen zu können“, schrieb eine aufmerksame Leserin des Buches. Die Geschichten würdigen auch das Engagement der Mitarbeiter und lassen auch sie mit Interviews zum Alltag und ihren Projekten zu Wort kommen.  Und mit den Geschichten tritt auch Lustiges und Originelles zutage – es wird gelacht.

Das Buch kann über Lebensräume, alleMunde oder dem Verlag bezogen werden. Fragen Sie nach Sonderkonditionen!
Kontakt: johann.kneissl@allemunde.de

WIR BRAUCHEN NOCH KAFFEE UND ZUCKER:
[OE Offenbacher Editionen]
160 Seiten, Paperback, 60 Portraits, 210 Farbabbildungen
ISBN 978-3-939537-37-3 EUR 16,80

9. Dezember 2017

Azubi sucht Wohnung

Mohamed A., 22, ist ein sympathischer und ehrgeiziger junger Mann. Er hat Talent und will etwas aus seinem Leben machen. Im September 2017 hat er bei Samson AG Deutschland in Frankfurt eine Ausbildung zum Fachlageristen begonnen und strebt den Abschluss als Fachkraft für Lager und Logistik an. Seine Studienpläne liegen schon in der gedanklichen Schublade. Sein Motto lautet: „Stehen bleiben macht keinen Sinn.“ Der Azubi ist in Deutschland angekommen, muss jetzt seinen Platz in der Wohngruppe frei machen und eine eigene Wohnung finden. Mohamed A. sucht eine

1,5 ZW in Offenbach oder naher Umgebung
mit einer guten Anbindung an den ÖPNV
und einer Kaltmiete bis 450 €  

2013 kam Mohamed A. von Somalia nach Mühlheim. Drei Jahre lang besuchte er in Offenbach die Käthe-Kollwitz-Schule, lernte die deutsche Sprache und beendete die Schule erfolgreich mit einem  Hauptschulabschluss. Die eigene Suche nach einer Lehrstelle blieb zunächst ohne Erfolg. Über das Projekt „Zeit für Entwicklung und Talente“ in Verbindung mit der Maßnahme Rückenwind lernte er in einer Wohngruppe sich selbst zu versorgen und fand einen Praktikumsplatz bei der Samson AG. Mohamed M. hinterlässt dort einen so bleibenden Eindruck, dass er ein Jahr später einen Ausbildungsplatz angeboten bekommt.

Der bei Kollegen geschätzte Azubi ist zuverlässig und hilfsbereit. Auch in der Wohngruppe übernimmt er schnell Verantwortung. Er erklärt seinen Mitbewohnern die Mülltrennung und  sorgt dafür, dass schwarze, gelbe und grüne Tonnen nach Abfallplan vor der Tür stehen, denn Ordnung und Gemeinsinn sind ihm wichtig: Er räumt mit seinen Mitbewohnern auf, trägt dafür Sorge, dass die Wäsche gewaschen ist und legt Wert auf ein gepflegtes Äußeres. „Man darf die Menschen mit seinem Aussehen nicht erschrecken“.

Mohamed A. liebt Musik, fährt gerne Fahrrad und schaut mit Begeisterung Formel 1. Ferrari ist sein Lieblingsrennstall und Sebastian Vettel sein Idol.

Sie fühlen sich angesprochen oder kennen jemanden, der eine Wohnung zu vermieten hat?
Mohamed A. freut sich über Ihre Nachricht. Kontakt: mohamed.adamjama8@gmail.com

6. Dezember 2017

Koppel statt Büroalltag

Pressemitteilung: Offenbach, 28.11.2017 – Jasmin Heuer hat in Mühlheim ihr Lebensprojekt Wohlfühlranch aufgebaut. Seit 2012 bewohnen Pferde, Hasen, Hühner und Enten die grüne Oase am Stadtrand. Die Entspannungspädagogin nutzt die Sensibilität der Tiere und das großräumige Gelände mit Bauwagen, um Kindern und Erwachsenen einen kreativen Zugang zu sich selbst und anderen zu erleichtern. Diesen Herbst veröffentlichte Sie ihre Autobiografie „Die Weichheit des Hühnchens ist unendlich“. Am Freitag, 15.12.2017, wird sie um 19:00 Uhr in der Hanauer Teestube im alten Fischerhaus, Mittelstraße 2, aus ihrem Buch lesen und ihre Arbeit vorstellen.

Jasmin Heuer, 39, ist sich treu geblieben und hält die Zügel in der Hand. Die gelernte Kauffrau durchläuft beruflich eine harte Schule, kämpft für ein authentisches Leben. Sie möchte sich nicht den gesellschaftlichen Zwängen hingeben, ihre Freiheit bewahren. Das Naturkind ist von Tieren fasziniert, besonders von Pferden. Im Grundschulalter wünscht sie sich von ihren Eltern ein Pferd. „Wenn du eins möchtest, musst du dir eins kaufen“, schreibt Jasmin Heuer in ihrem Buch über die Reaktion der Mutter, Inhaberin einer Steuerkanzlei. Die aufgeweckte Tochter wird in der dritten Schulklasse zur Unternehmerin: Im Mehrfamilienhaus mit 12 Parteien verteilt sie selbstgebastelte Visitenkarten, bietet einen wöchentlichen Autowaschdienst an. Mit 14 Jahren holt sie das Ersparte von der Bank, kauft die weiße Stute Sheila, organsiert selbst die Unterkunft. Jasmin Heuers Augen strahlen beim Erzählen, noch 25 Jahre später. Immer wenn sie von Pferden und Kindern erzählt. „Kinder, Menschen mit Behinderungen und Pferde – das war früh für mich klar.“ Über den Förderverein der Grundschule beginnt sie, „Entspannungskurse für Kinder mit Pferden“ anzubieten. Es folgten Kindergeburtstage und Angebote für Erwachsene mit psychischen Erkrankungen.

Hätt‘ ich mal, hätt‘ ich mal“, diese oft gehörten Worte von älteren Menschen, wird Jasmin Heuer in 25 und mehr Jahren nicht wehmütig über ihre Lippen bringen müssen. Die zierliche und selbstbewusste Frau hat sich ihre Lebendigkeit bewahrt. Sie hat früh gelernt, ihre Wünsche selbst in die Hand zu nehmen und dabei ihren Traum von einer Großfamilie zielstrebig verfolgt. „Wenn man Haltung zeigt und seine Ziele formuliert und verfolgt, wird man anders von seiner Umwelt behandelt“, sagt Jasmin Heuer. Sie legte Hand an, befreite das Gelände von Brombeeren, zimmerte Pferdeunterstände, baute Ställe für Hasen und Hühner. Alles wirkt improvisiert, wild. „Es soll nicht so perfekt sein, ich sammle altes Material, möchte selber zimmern. Die Wohlfühlranch, das bin ich.“

Auf das Besondere der Tier-Mensch-Beziehung angesprochen, könnte die Antwort kürzer nicht ausfallen: „Echtheit“, sagt die Entspannungspädagogin, die im Herbst eine Ausbildung zum Elementarcoach begonnen hat. „Ich sehe und erlebe in meinen Kursen das wahre Gesicht der Menschen“. Jasmin Heuer erzählt von einem Manager, der im Konzern vor Macht strotzt, alles beherrscht und dem in der Begegnung mit einem Pferd plötzlich die Knie zittern. Eltern erzählten bei der Anmeldung zu den Kursen häufig, dass ihr Kind sehr ängstlich sei, sich wenig zutraue. „Die Angst kommt von wo anders, die Kinder haben hier keine Angst, auch nicht vor den großen Pferden“, erzählt Jasmin Heuer. Wir sitzen im November an einer bunten Tischgarnitur bei einer Kanne Kaffee und Jacke im Freien. Die Sonne scheint in unsere Gesichter. Die Wohlfühlranch-Betreiberin lässt ihren Blick über die Pferdekoppel und ihre schiefen Hütten schweifen, spricht: „Wenn ich aufhöre perfekt zu sein, darf ich mir Fehler erlauben. Ich gewinne eine andere Ebene zu den Menschen. Das oben und unten wird aufgehoben“.

Jasmin Heuer schreibt in ihrer Autobiografie offen und sympathisch über ihre Zweifel, klammert auch persönliche Krisen nicht aus: Ihr Leben als Trennungskind im Elternhaus, gesundheitliche Rückschläge, schwarze Tage auf der Wohlfühlranch. Nie jedoch gerät der Erzählfluss ins Stocken, immer strahlt Lebendigkeit durch. Dabei helfen ihr auch die drei sensiblen Pferde, die den Mensch durchschauten: „Geht es mir schlecht und habe ich mein Strahlen verloren, merkt das Pferd das. Ich kann auf Distanz gehen oder meinen schweren Kopf auf das Pferd ablegen, dabei neue Kraft gewinnen“. Die Mangalarga Marchador-Stuten Aleixa, Betunia und Whispy grasen in der Herbstsonne. Die Wohlfühlranch ist ein wahrer Kraftort.

Mehr erfahren Sie im Artikel der Offenbach Post vom 5. Dezember 2017 hier.

 

26. Oktober 2017

2. Offenbacher Lyriknacht im Klingspor Museum

Lyrik ist ehrlich – am 14. Oktober 2017 rezitierten zwölf europäische Lyrikerinnen und Lyriker anlässlich der Frankfurter Buchmesse im Lesesaal des Klingspor Museums für Schrift- und Buchkunst unter dem Motto „Zeitgenössische avantgardistische Lyrik“ ausgewählte Gedichte über Leben, Freiheit und Klang.

Einzigartig auch das Format an diesem besonderen Offenbacher Ort: Der Frankfurter Verleger Sewastos Sampsounis vom Größenwahn Verlag hatte als Veranstalter und Moderator des Abends Lyriker seines Hauses und ausgewählte Gastautoren eingeladen. Jedem standen fünf Minuten Lesezeit und anschließend ein Kurzinterview von zwei Minuten zur Verfügung. Dazwischen sorgte Percussion-Künstler Günter Bozem für beeindruckende Klänge. 120 Minuten konzentrierte Gedicht- und Musikkunst.


Johann Kneißl eröffnet die Lyriknacht – Sewastos Sampsounis mit Günter Bozem (im Hintergrund von rechts)

Ich war als Offenbacher Autor der Gruppe „Literatur zur Werkzeit“ zu Gast. Eine besondere Ehre war für mich, dass ich als Europäer und überzeugter Offenbacher vom Verleger mit meinem „ersten Ruf“ eingeführt wurde und den Abend eröffnen durfte: „Lyrik muss den Blick nach vorne richten, gesellschaftspolitisch sein, die Kreatur Mensch nicht im Stich lassen, die Welt offen halten.“

Jeder Autor wurde mit seinem persönlich geschriebenen Ruf vorgestellt – angelehnt an die aktuelle Museumsausstellung „The Next Call“ des niederländischen Künstlers Hendrik Nicolaas Werkmann (1882-1945). Auch das Leseplakat war nach Werkmanns gleichnamiger Grafik von 1926 gestaltet, sein Ruf uns Autoren mitgegeben: „Ein Schauer durchfährt den Körper, der die Freiheit seines Geistes fürchtet.“


Der Lesesaal im 2. Obergeschoss des Klingspor Museums im Büsing Palais in Offenbach

Meine vorgetragenen Gedichte entstanden bei einer Stadtlesereihe 2014 in Offenbach. Unter dem Titel „Literatur zur Werkzeit“ habe ich mit fünf Autorinnen bei zwölf Lesungen in Produktionsstätten, Geschäften und Lokalen Prosagedichte und Kurzgeschichten vorgetragen – immer musikalisch begleitet. Alle Texte der Lesereise wurden unter dem –Titel „Literatur zur Werkzeit“ (ISBN 978-3-939537-35-9 – € 14,80) auf 240 Seiten mit schwarz-weiß Fotos in einem hochwertigen Leinenbändchen veröffentlicht.
Ich las sieben Gedichte über die Welt, den kleinen Menschenkopf, Herkunft, Offenbacher Straßen und Cafés, die Sonne und den Hafengarten, der in Säcken und Kisten auf der Hafenbaustelle am Main für Wachstum sorgt.

Mein Lieblingsgedicht „Nordenddreck – da wo man das Leben noch riechen kann“ bildete dabei den Höhepunkt: Die Stadtsäckel sind leer – das ist gut so / Es wird nicht gassenweit aufpoliert / auch die Metropolenbewohner werden verschont. // Entlang der Häuserzeilen Lattenroste / liebesgetränkte Schaumstoffmatratzen / durchgesessene Sofaelemente / Geschichten um Geschichten // Das Dreckige / damals neu / in preissturzgekrönten / Möbelhäusern / diesen ausladenden / Indoor-Fußballplätzen // Der Dreck ist schöner / Man riecht förmlich die um die Ohren / geschlagenen Nächte / Tränen und Schweiß / die Pommes mit Mayo / amerikanische Cola / türkischen Mokka. (S. 23)

Drei Jahre später ist mein Gedicht ein gesellschaftspolitisches Zeitdokument. Jetzt stehen überall Abrissbirnen und Baukräne, Eigentumswohnungen werden gebaut, die Gassen herausgeputzt, ein Müll-Beauftragter bei der Stadt sorgt dafür, dass Sofas und Matratzen kurzfristig abgeräumt werden. Die Schmuddelstadt Offenbach an Frankfurts Seite wird aufpoliert, der öffentliche Lebensraum zugebaut, einkommensstarke Neubürger sollen in die „nachverdichtete“ Stadt ziehen, für wirtschaftlichen Aufschwung sorgen.


Die Lyrikerinnen und Lyriker der 2. Offenbacher Lyriknacht

Die Autoren repräsentierten acht europäische Länder, Gundula Schiffer trug ihre Texte in deutscher und jüdischer Sprache vor. Wunderbare Lyriker mit großer Sprachkraft und völkerverbindenden Fähigkeiten – unabdingbar im Zeitalter des aufkeimenden Nationalismus und volksverhetzender Parolen. Passend dazu Bozems Klang-Performance.

Besonders nachdenklich stimmte mich die kroatische Autorin Tamara Labas mit dem Gedicht „Zitronenscheiben im Wasser“ aus ihrem neuen Gedichtband „Zwölf“ (Größenwahn Verlag): (…) wir trinken diese erfrischung in kleinen schlucken und löschen unseren durst. fördern unser wohlbefinden, frei und sorglos. Fremde völker wie syrer, somali, eritreer, afghanen, iraker. Ach, es gibt so viele. sie rütteln an europas türen. wir aber wollen unseren frieden und zeit für unser wohlbefinden. das zitronenwasser ist wirklich köstlich! (S. 108)

Der griechische Lyriker Andreas Arnakis brachte den Abend treffend auf den Punkt. „Lyrik ist ehrlich.“ Die 2. Offenbacher Lyriknacht rundete als 12. Autorin meine Offenbacher Kollegin Katharina Eismann, Mitglied der Offenbacher Gruppe „Literatur zur Werkzeit“, mit ihrer ausdrucksstarken lyrischen Performance ab.

Folgendes Material zur Lesung können Sie hier herunterladen:
>Plakat „Der nächste Ruf“
>Programmheft Lyriknacht – Vitae der Autorinnen und Autoren
>Kurzinterview Johann Kneißl
>Gedicht „Nordenddreck“

 

20. Juli 2017

Wenn der Chef Hilfe braucht

Die Seligenstädter Musikschullehrerin Renate Müllemann leitet nach einem Schlaganfall mit Halbseitenlähmung und Sprachstörung ein Musikangebot für die Wohngruppe am Steinheimer Tor. Nach langer Rekonvaleszenz hat sie sich ins Alltagsleben zurückgekämpft. Doch sie braucht Unterstützung.

Renate Müllemann, 55, Sonderpädagogin mit Schwerpunkunkt Musik, wird 2010 mit einer schweren Hirnblutung aus dem Berufsleben gerissen. Künstliches Koma, mehrere OP, ein halbes Jahr Behandlung in einer neurologischen Akutklinik. Es folgen drei Jahre Behindertenwohnheim (Grasellenbach, Residenz am Wald). Sie schafft den Auszug in eine eigene Wohnung, seit 2014 lebt die Wahl-Bochumerin wieder in ihrer Geburtsstadt Seligenstadt mit ambulanter Unterstützung in eigener Wohnung.

Das Musiktalent hat Glück im Unglück: Renate Müllemann verliert die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben, ihr Sprachzentrum ist nahezu zerstört, mithilfe einer Logopädin erlernt sie mit viel Aufwand einfache Wörter, um sich im Alltag verständigen zu können. Geblieben ist ihr die musikalische und emotionale Kompetenz (gesunde, rechte Gehirnhälfte).

Renate Müllemann ist eine Frohnatur. Sie summt und singt, beginnt einhändig Klavier und Horn zu spielen. Die ausgebildete Blockflötenlehrerin (Sopran bis Alt) muss sich für immer von ihren Instrumenten verabschieden, auch von der Gitarre. Dennoch gibt sie nicht auf. Sie liebt sie Musik, sucht nach neuen Aufgaben. Seit 2015 ist sie in St. Marien im Impulse Chor aktiv, übernimmt ehrenamtlich bei der Behindertenhilfe für die Wohngruppe am Steinheimer Tor das wöchentliche Singen.

Renate Müllemann hat Temperament, kann Menschen begeistern. Die wöchentlichen Singtreffen sind ein Erlebnis: Kraftvoll wird mit einer Hand dirigiert, mit dem Fuß der Takt vorgegeben. Die Musiklehrerin steckt alle an, schafft es, alle Teilnehmer einzubeziehen – auch reservierte Menschen. Wilfried L. (alle Namen der Bewohner geändert) begleitet mit der Mundharmonika. „Meine Eltern haben mich kein Musikinstrument lernen lassen, ich arbeitete auf der Baustelle, Renate hat mein Interesse geweckt.“ Achim Böttger, Mitarbeiter der Wohngruppe, möchte das wöchentliche Singen und die Auftritte bei Festen und Feiern mit Renate Müllemann nicht mehr missen. „Renate kann die Menschen für Musik begeistern. Das wöchentliche Singangebot ist ein wunderschöner Programmpunkt für die Bewohner. Das Musikprogramm bei den Sommer- und Weihnachtsfesten ist großartig.“
Gesungen wird querbeet: Von Kinderlieder wie „Wer will fleißige Handwerker sehen“ über Volkslieder (Kalinka) bis zu Schlagern wie „Mamor, Stein und Eisen bricht“ reicht die Palette. Beim „Schneewalzer“ begleitet Robert F. hingebungsvoll am Klavier. Dazu wird getanzt und die Mundharmonika gespielt.

Damit Renate Müllemann bei den Proben sich ganz den Teilnehmern widmen kann, braucht sie Unterstützung. Anna Stiebitz hat sie ein Jahr ehrenamtlich begleitet und dabei besser kennengelernt. „Renate braucht viel Aufmerksamkeit, man muss ständig bei ihr sein, um zu erkennen, was sie braucht“. Ein festes Programm gibt es nicht. Und doch sind die einzelnen Lieder sorgfältig vorbereitet. Renate Müllemann weiß genau was sie tut und von ihrer Assistenz braucht. „Ich bin der Chef – bitte helfen.“

Es liegen Noten und Requisiten bereit, die verteilt werden müssen, auch Instrumente und Tücher. „Man braucht Geduld, gerade dann, wenn Renate die Worte fehlen. Man muss mit ihr mitgehen, die Teilnehmer haben Spaß am Musikangebot, und für Renate ist es eine tolle Bestätigung. Ich nehme sie nicht als Behinderte wahr, sie ist die Chefin, es macht Spaß mit ihr zu arbeiten.“
Jetzt geht Anna Stiebitz für ein Jahr als Au Pair nach Amerika. Damit Renate Müllemann das Angebot fortsetzten kann, benötigt sie ab 4. September 2017 jeden Montag von 17 bis 18 Uhr eine Assistenz. Das gilt auch für Auftritte bei Festen und Feiern (Sommerfest, Nikolaus/Weihnachten, Fastnacht). Am Samstag, 26. August, singt Renate Müllemann mit ihrer Gruppe beim Sommerfest an der Seligenstädter Wallstraße 38-40.

Wir bedanken uns bei der Offenbach Post und Herrn Michael Hofmann, Leitung Lokalredaktion Seligenstadt, für den Abdruck des Artikels. Die Presseveröffentlichung können Sie hier aufrufen.

2. Juni 2017

Wien nach Offenbach geholt

Eine Jahrhunderte alte Tradition des urbanen Zusammenlebens aus dem Nachbarland Österreich macht in Offenbach Schule: Leben mit Hausbesorger. Menschen mit Handicaps haben bei der Stiftung Lebensräume in ihren Wohnhäusern einen ersten Ansprechpartner für ihre Alltagsbelange. Bereits zwei Wohnprojekte betreibt das Sozialunternehmen nach dem Wiener Modell in der Stadt Offenbach. Jetzt wird ein weiteres in Stadtrandlage bezogen.

Der Mensch braucht Ansprache

Menschen brauchen für eine gesunde Entwicklung Ansprache und soziale Akzeptanz in ihrem Wohnumfeld. Das Gespräch im Hinterhof oder einfach beim Nachbarn anklingeln und um eine Fahrradpumpe bitten zu können, sorgt für ein angenehmes und sicheres Lebensgefühl. Fehlt es an diesen Kontaktmöglichkeiten, können Gefühle von Nichtbeachtung, Isolation bis hin zur Ausgrenzung entstehen. Sozialkontakte im Wohnumfeld bereichern unser Leben und sie sind für Menschen mit Behinderungen umso bedeutsamer. Ihnen geeigneten Wohnraum in nachbarschaftlicher Umgebung bereitzustellen und diesen angemessen zu versorgen, obliegt der sozialen Verantwortung von Gemeinwesen und Kommune. Das ist heute nicht mehr selbstverständlich.

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Städtischer Bauboom mit Eigentumswohnungen und gestiegene Mietpreise erschweren behinderten Menschen ohne oder mit geringem Erwerbseinkommen die Wohnungssuche. Sie haben auf dem freien Wohnungsmarkt keine Chance. Und die Wartelisten beim Wohnungsamt und den Wohlfahrtsorganisationen werden länger. Ein einzelner Akteur kann heute die Aufgabe nicht lösen. Stadt, Wohnungseigentümer und Wohlfahrtsträger müssen klug zusammenwirken, damit auch Menschen mit Behinderungen Wohnraum finden.

Auch soll heute das Zusammenleben durch verstärkten Zuzug einkommensstärkerer Menschen in städtische Lebensräume neu ausgehandelt werden. Eine Verdrängung sozial schwächerer Menschen ist zu verhindern, ein solidarisches Miteinander zu fördern. Gerade für Menschen mit psychischen Erkrankungen sind das hohe Anforderungen, die sie oft alleine nicht bewältigen können. Wohnraum wird eben nicht gerne an Menschen vermietet, die mit ihrer Alltagsbewältigung überfordert sind, ihren Haushalt nicht alleine besorgen können. Zu groß ist die Sorge, dass die Miete nicht bezahlt wird, mögliche Konflikte das Zusammenleben erschweren, die sanierte Immobilie nicht pfleglich behandelt wird. In der Tat sind für einen Mieter mit körperlicher oder seelischer Behinderung Aufwand und Kosten für Anmietung und Unterhaltung einer Wohnung kaum zu schultern.

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Zugleich sollen in Zeiten von Inklusion und sozialer Teilhabe Wohnheime aufgelöst und Menschen der Zugang zu Wohnraum in nachbarschaftlicher Umgebung ermöglicht werden. Die rechtliche Handhabe bietet dazu das neue Bundesteilhabegesetz (BTHG), das seit 2017 Schritt für Schritt die UN-Behindertenrechtskonvention auch in Deutschland umsetzt. Damit dies gelingt, braucht es Schnittstellen mit praktischen Hilfen, die dafür Sorge tragen, dass Menschen mit Handicaps nicht in prekäre Wohnverhältnisse geraten, sozial ausgegrenzt werden und ihr Obdach verlieren. Ein Concierge oder Hausbetreuer kann ein wichtiges Bindeglied sein – auch für „die Gesunden“ in der nachbarschaftlichen Umgebung, die bei Unsicherheiten und Konflikten einen Ansprechpartner haben.

Das Modell des Hausbesorgers

Wer nicht alleine mit seinen Alltagsangelegenheiten zurechtkommt, dem kann mit kleinen praktischen Hilfen durch einen Concierge schnell geholfen werden. Das kann das verstopfte Flusensieb der Waschmaschine sein, die geplatzte Mülltüte im Treppenhaus oder ein Missverständnis mit dem neuen Nachbarn, das Menschen mit Handicaps und mangelnden Sozialkontakten schnell vor unlösbare Probleme stellt. Bei größeren Aufgaben kann er weitere Hilfen hinzuziehen. Seit 2009 gestaltet die Stiftung Lebensräume in der Stadt Offenbach nach dem Wiener Modell des Hausbetreuers das Zusammenleben in einem eigenen und einem angemieteten Wohnhaus.

Zurück zu Wien: In der nach Berlin zweitgrößten deutschsprachigen Stadt sind heute noch rund 1.400 Hausbesorger im Gemeindewohnungsbau tätig. Sie haben eine Dienstwohnung im Gemeindebau, sind erste Ansprechpartner für die Bewohner, haben ein offenes Ohr für deren Anliegen und verkörpern die gute Seele im Haus. Im Jahr 2000 wurde in Wien das Hausbesorgergesetz abgeschafft. Geht ein Hausbesorger in Pension, übernehmen heute Hausbetreuer/innen ihre Arbeit. Weggefallen ist die Dienstwohnung, geblieben sind die Aufgaben. Gewohnt wird heute in einer Mietwohnung in der betreuten „Stiege“ (Etage) oder in einem nahegelegenen Wohnhaus, das höchstens 300 Meter von der „Stiege“ entfernt sein darf.

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Bei Lebensräume sind die Objekte mit rund 10 Hausbewohner deutlich kleiner, der Concierge hat eine Mietwohnung im Haus und ist für zwei bis vier „Stiegen“ zuständig. Das Modell findet hohe Zustimmung. Die Bewohner schätzen es, vor Ort einen Ansprechpartner zu haben, sie fühlen sich nicht „so einsam“, haben mehr Sicherheit im Umgang mit ihren Wohnungsnachbarn und der umliegenden Nachbarschaft. Mit kleinen Hoffesten wird die Gemeinschaft gefördert, Tische und Stühle laden im Garten zum täglichen Verweilen und Gespräch ein. Wechselt in der angrenzenden Nachbarschaft ein Mieter, stellt sich der Concierge vor, spricht offen mit den Menschen, baut Vorurteile ab. Die Praxis zeigt, dass die Begegnungen im Hof oder auf der Straße für beide Seiten normaler geworden sind, Ängste und Vorurteile abgebaut werden konnten. Menschen mit Handicaps verbringen ihre Zeit nicht mehr ausschließlich alleine in ihren Zimmern, trauen sich wieder zu, im Hof oder Garten zu sitzen. Dabei spielen sie Karten oder setzen am Wochenende den Grill in Gang. Ist ein Würstchen übrig, wird es über den Zaun gereicht. Jetzt startet Lebensräume in der Stadt Offenbach das dritte Wohnprojekt mit Concierge.

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Investor, Sozialträger und Stadt kooperieren

Ein Frankfurter Investor hat in guter Offenbacher Stadtrandlage ein altes Mehrparteienhaus gekauft und komplett saniert. Die Stiftung Lebensräume hat das Objekt für 15 Jahre angemietet, die Stadt Offenbach unterstützt das Hausbesorger-Projekt. Wünsche des Generalmieters für ein angemessenes und zeitgemäßes Wohnen werden berücksichtigt. Auf vier Etagen finden 10 Bewohner Platz, im Anbau wohnt in unmittelbarer Nähe zu „den Stiegen“ der Hausbetreuer. Jeder Mensch hat ein schönes Zimmer, auf jeder Etage gibt es eine ausgestattete Küche mit Gemeinschaftsraum, ein Bad und eine Gästetoilette. Das Gebäude verfügt über einen geräumigen Hinterhof mit Grünfläche und Grillecke. Die Vergabe der Wohnräume und Verwaltung übernimmt die Stiftung Lebensräume. Das Wohnen mit Concierge ist eine echte Alternative zum Wohnheim, das heute nicht mehr zeitgemäß ist. Auch Menschen mit Behinderung wollen ein normales Leben führen, Kommune und Gemeinwesen müssen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Mit dem Hausbetreuer-Modell wird ein Stück Wien nach Offenbach geholt. Praktizierte Inklusion. Text und Bilder: www.allemunde.de

Der Artikel wurde im Offenbacher Stadtmagazin Mut & Liebe, Ausgabe 23, am 1. Juni 2017 veröffentlicht. Klicken Sie hier.