26. Januar 2014

Friede den Hütten! Krieg den Palästen

MailArt-Kunst kannte ich bislang nicht. Das sollte sich bei der Ausstellungseröffnung in der Offenbacher Teestube ändern. Bekannt hingegen ist mir das Haus in der Gerberstraße, eine Tagesaufenthalts- und Übernachtungsstätte für Menschen in sozialen Notlagen, häufig ohne festen Wohnsitz (ofW). Aus beruflichen Zusammenhängen kenne dort Besucher, auch die Fachkoordinatorin Petra Heck. Ida Todisco hat in ihrem neuen Buch „Offenbacher Nachtstücke“ (Cocon-Verlag Hanau) das Leben in der Teestube beschrieben, eine „Liebeserklärung“ an die Menschen am Rande der Gesellschaft. „Raststätte“ nennt sie treffend ihre 15-seitige Text-Bild-Reportage.

Heute betrachte ich in Glasschautafeln Kunst-Postkarten von 150 Künstlern aus 27 Ländern. Auf den Briefumschlägen lese ich die Absender, bestaune die internationale Briefmarkensammlung. MailArt-Projekte, erfahre ich, gibt es seit den 1960er Jahren. Das sozialpolitische Künstlernetzwerk steht jedem offen, arbeitet unkommerziell, per Post werden die Kunstkarten an eine zentrale Adresse geschickt. Die Projekte waren wichtiger Teil der Widerstandsbewegungen in Osteuropa und Lateinamerika.

Norbert Koczorski, Buchbinder und selbst zwei Jahre obdachlos, hat 2013 anlässlich des 200. Geburtstages von Georg Büchner unter dem Titel „Friede den Hütten! Krieg den Palästen“ einen internationalen Aufruf gestartet, die Ausstellung gemeinsam mit der Evangelischen  Obdachlosenhilfe und der Nationalen Armutskonferenz organisiert, der er als Delegierter selbst angehört.

Die Ausstellung startete letzten Herbst im Justus-Liebig-Museum in Darmstadt, der Geburtsstadt Büchners. Offenbach ist als Druckort des Hessischen Landboten (1834) „ein Muss“, so der Kurator Andreas Pitz, folgen werden die weiteren Lebensstationen Georg Büchners, Gießen und Straßburg.

Die Mail-Art-Kunstkarten können noch bis Ende März in der Gerberstraße 15 im Offenbacher Mathildenviertel besichtigt werden. Zur Ausstellung gibt es einen 60-seitigen Katalog.
Telefon: 069 829770-30, E-Mail: teestube@diakonie-of.de
Zur Hompage der Teestube gelangen Sie hier.

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