26. Juli 2015

Mit Bildern die Angst zerstören

„Ich kann mit Bildern die Angst zerstören“, sagte am vergangenen Freitag Jordan K. Artmaster im KOMM-Einkaufscenter im Rahmen eines anderthalbstündigen Künstlergesprächs. Eingeladen hatte Ulrike Djelloulli-Della, Vorsitzende des Kunstvereins Offenbach e.V. Schnell entwickelte sich mit dem Max-Weinberg-Schüler ein philosophisches Gespräch: Konstruktion – Dekonstruktion – Konstruktion. „Malen, zerstören, wieder malen. Und dabei lachen, sich nicht so ernst nehmen, loslassen“. Der Künstler sitzt konsequent vor seinem Schrei-Bild, äußert: „Der Expressionist Edvard Munch (1863-1944) hat mich dazu inspiriert“.

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Aufgeschlitzte Bilder mit Schreimünder, in die KOMM-Wand gehauene Lochaugen – gefüllt mit halben Kokosnussschalen, Nägel, geschredderte Euroscheine, Schrauben, Drahtgeflechte, Menschenhaar. Einige Zuhörer sind irritiert von der Zerstörung und Aggression in den Bildern, andere erleben sie in der „Offenbacher Schirn“ als befreiend, grundehrlich, menschlich. Ich gehöre dazu.

Für ein großflächiges Bild im Format 9 x 3 m zerstört der bildende Künstler eine weiß angelegte Wand. Er schlägt faustgroße Löcher mit dem Maurerhammer in den Mörtel, hämmert Stahlnägel in den Beton. Nicht wenige hätten bei dieser Aktion entsetzt reagiert, erzählt Jordan K. Artmaster. „Ich habe für mein Bild die weiße Wand kaputt gemacht. Jetzt begeistert die Menschen mein Bild – und sind bereits entsetzt, dass ich es für die weiße Wand wieder kaputt machen werde“. Ich erzähle von meiner literarischen und journalistischen Textarbeit: Textkörper gestalten, Gestaltetes zerstören, neue Sätze daraus formen. Wirkliches Leben kommt ohne Zerstörung nicht aus – Punkt.

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Der sympathische Jordan K. Artmaster ist ein sensibler Kopf und sagt von sich, nach den zehn Geboten zu leben. Der im Oberspreewald Gebürtige bezeichnet sich als taktilen Menschen und Vertreter der Polymaterialität. Stoff, Haare, Holz, Nägel, Draht, Glas, Watte, Acrylfarbe, „alles was ich in die Hände bekomme“. Der Konstruktionsmechaniker erzählt mit seinen kräftigen Männerhänden – die Freude am plastischen Arbeiten wird spürbar. „Ich fasse meine Kunst gerne an. Dabei ist es mir egal, ob sie schmutzig wird“. Und das Schöne für uns: wir dürfen das auch als Besucher – Anfassen ist ausdrücklich erwünscht“.

Die Ausstellung ist im KOMM Einkaufscenter am Offenbacher Aliceplatz 11 noch zusehen bis zum 1. August 2015. Täglich von 14:00 bis 20:00 Uhr (außer Sonntag).
Katalog: KUNST: ÜBERIRDISCH. Max Weinberg / Jordan K. Artmaster, 2014